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01.09.2011

Kappung der Direkthilfen ist volkswirtschaftlicher Wahnsinn

Zur Kappung der Direktbeihilfen


Das stärkste Argument der Kappungsbefürworter, Großbetriebe hätten finanzielle Vorteile ggü. kleineren Höfen, erhält sicherlich aus der wirtschaftstheoretischen Literatur große Unterstützung, die Realität ist aber eine andere. Beispielsweise findet man interessante Zahlenvergleiche in der Publikation des damalig noch "Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft" genannten Hauses mit dem Titel "Wirtschaftsergebnisse landwirtschaftlicher Unternehmen Brandenburgs, Wirtschaftsjahr 2008/2009". Den hier aufgeführten Daten läßt sich beispielsweise entnehmen, dass die Gruppe der Natürlichen Personen im Haupterwerb (237 ha LF; 1,04 AK/100 ha LF; 36,3 VE/100 ha LF) mit 46 EUR/ ha LF im Durchschnitt der drei Wirtschaftsjahre 2006/07 bis 2008/09 einen höheren Unternehmergewinn auswiesen, als die Juristischen Personen (1.421 ha LF; 1,67 AK/ 100 ha LF; 59,3 VE/ 100 ha LF) mit gerade 38 EUR/ ha LF. Von einem finanziell geprägten Größenvorteil kann hier also keine Rede sein. Vielmehr scheint sich ein positiver Größeneffekt lediglich in einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen durch geregelte Arbeitszeiten und Arbeitsteilung auszuwirken.

Auch aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Größe in der Landwirtschaft nicht alles ist. So habe ich florierende Tausendhektar Betriebe gesehen, umgeben von riesigen Agrarholdings mit über 10.000 ha, welche kurz vor dem Ruin standen. Grund hierfür ist die begrenzte menschliche Managementkapazität in der von Mikromanagement geprägten Landwirtschaftsproduktion. Ab einer individuell festzulegenden Größe, welche auch von der Flächenverteilung und Infrastruktur abhängt, stößt ein jeder Produktionsleiter an seine Grenzen und verliert schlicht den Überblick oder das Auge für das Detail. Dann kann man zwar die Mannschaft mit Brigadeleitern verstärken, aber je größer das Orchester, um so mehr Spielfehler gehen unendeckt unter. Und jeder Fehler kostet Geld.

Deshalb kann ich nur dringend dazu raten, die Förderpolitik derart zu gestalten, dass diese keinesfalls das Finden der optimalen Betriebsgrößen beeinflussen. Reine größenbezogene Kappungen halte ich deshalb für volkswirtschaftlichen Wahnsinn.


Von: Benjamin Meise

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