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05.07.2012

Praktikable langfristige Milchpreisabsicherung gefordert

Brief an die Interessenvertretung des Berufsstandes


Sehr geehrte Ministerin Aigner!
Sehr geehrte Präsidenten Rukwied, Folgart und Groß!
Sehr geehrter Dr.Böhme!

Ich wundere mich seit geraumer Zeit, wie still es um die aktuelle Situation der Milchbauern bestellt ist. Wir selbst melken über 700 Milchkühe und glauben mit Hilfe der Unternehmensberatung Koesling&Anderson einen ganz guten Einblick in die Kostenstruktur dieses Betriebszweiges zu haben. Jedenfalls liegen unsere Vollkosten derzeitig trotz noch günstig abgeschlossener Sojakontrakte eher über 35 Cent/kg und da wir in der Regel im horizontalen Betriebsvergleich den 25% erfolgreichen Betrieben zugeordnet werden, kann wahrscheinlich auch ausgeschlossen werden, dass der Großteil der weiteren Milchbauern günstiger produziert. So muss ich bei den aktuellen Milchpreisen unter 30 Cent/kg auch feststellen, dass wir täglich mit der Produktion von Milch unser Geld verbrennen. Auf ein Jahr hochgerechnet ist das ein Verlust bei unserer Milchquote von 6,5 Mio. kg. von über 300.000 €. Nach der ebenfalls deutlich defizitären Ernte 2011 ist unsere Liquiditätslage aufs äußerste angespannt.

Mal abgesehen davon, dass Preisdumping, also der Verkauf von Waren unterhalb deren Produktionskosten, eigentlich international (siehe WTO) verboten ist (eine Ausnahme ist hier unverständlicherweise das "Agrardumping") glaube ich nicht, dass wir einen derartigen Liquiditätsabfluss noch lange durchhalten. Und trotzdem scheint, bitte verzeihen Sie mir meine offenen Worte, unsere bäuerliche Interessenvertretung eher "business as usual" zu praktizieren und die finanzielle Schwächung eines für die Volksernährung vielleicht doch nicht ganz unbedeutenden Wirtschaftszweiges zu akzeptieren. Sicher bestimmen Angebot und Nachfrage den Markt, aber leider habe ich bei meinen Kühen noch nicht den "Aus"-Schalter gefunden. Zudem habe ich doch gewisse Skrupel, eine in jahrzehntelanger und mühevoller Zuchtarbeit entwickelte Hochleistungsherde im Schlachthaus zu Kernseife zu verarbeiten.

In solchen Situationen ist guter Rat bekanntlich teuer. Aber da wir ja eh zuviel Geld zu haben scheinen und ich nicht nur rumnörgeln will, rate ich ihnen heute vollkommen kostenlos aber auch absolut dringend an, den Milchbauern eine praktikable Möglichkeit zur langfristigen Preisabsicherung ihrer Milch zu geben. Die Holländer und Amerikaner machen es uns mal wieder vor, wie es geht (siehe dazu diverse Artikel der "Neue Landwirtschaft", ich bin sicher Herr Dr. Böhme stellt Ihnen dieses Material gern zur Verfügung).

Da wir jetzt bereits Kraftfutter langfristig kontraktieren können und die großen übrigen Kostenblöcke wie Grundfutter und Arbeitskräfte recht stabil sind, könnten wir mit einer langfristigen Preisabsicherung der Milch ca. 80%-90% der für das Geschäft maßgeblichen Einflussfaktoren festsetzen, wieder alle ruhig schlafen und uns derartige Mails schenken.


Von: Benjamin Meise

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