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22.10.2012

Von den Märkten aufgerieben

Forderung nach Milchpreisabsicherungsintsrumente


Ich verstehe es nicht. Der Milchpreis ist mal wieder im Keller und die Sojanotierungen schwingen sich von einem Allzeithoch zum nächsten. Und nachdem nunmehr einige Monaten dieses desaströsen Mißverhältnisses ins Land gegangen ist, dürfte auch dem letzten Milchbauern klargeworden sein: Unter diesen Umständen verbrennen wir mit der Milchproduktion unser Geld! Aber während die englischen Milcherzeuger demonstrieren und erfolgreich um jeden Cent kämpfen, bleibt es, mit Ausnahme unserer bayerischen Kollegen, ruhig auf dem deutschen Land. Das verstehe ich nicht.

Haben wir denn zuviel Geld? Lassen wir uns angesichts der guten Marktfruchterträge- und preise blenden? Hoffen wir auf bessere Zeiten? Verlassen wir uns zu sehr auf unsere Interessensvertreter? Fühlen wir uns machtlos? Zugegeben, es gibt aus meiner Sicht auch keinen Weg aus dieser Milchkrise. Aber man sollte aus ihr lernen und gestärkt aus ihr hervorgehen. Und genau das vermisse ich im Moment. Klar werden sich die Milchpreise auch wieder erholen und vielleicht sinken auch die Kraftfutterkosten, aber die nächsten Milchkrisen kommen bestimmt und werden mit unverminderter Härte zuschlagen. Wohl dem, der gut darauf vorbereitet ist.

Sicher möchten wir alle auch in Zukunft unser Geld mit der Milchproduktion verdienen. Aber wie kann man sich denn nun für die nächste Krise rüsten? Ich sehe hier nicht viele Optionen. Die Kosten im Griff zu haben, reicht gerade einmal aus, um in guten Zeiten etwas Geld zu erwirtschaften. Eine ausreichende Reservebildung kann dann mit etwas Glück ein probates Mittel sein, um auch schlechte Zeiten zu überwinden. Aber ist es das, was wir wirklich wollen? Geld zurücklegen, um es beim nächsten Notstand wieder verbrennen zu müssen? Und wenn die Reserve dann nicht reicht? Ist das ein nachhaltiges Risikomanagement? So richtig will mir das nicht gefallen.

Was mir aber sehr gut gefällt, sind die Lösungen hierzu, welche sich beispielsweise in den USA oder Niederlanden etabliert haben. Dort stehen den Milcherzeugern nämlich Instrumente zur Verfügung, um ihre Absatzpreise langfristig zu sichern. Stellen Sie sich vor, sie hätten die Möglichkeit, an ein und demselben Tag ihre Kraftfuttereinkaufs- und Milchverkaufspreise für die nächsten 24 Monate zu fixen und zwar auf einem Niveau, welches Ihnen einen Unternehmergewinn in Höhe von sagen wir 4 Cent je kg Milch garantiert. Würden sie da noch lange überlegen? Also ich nicht.

Gehen wir es mal durch: Die meisten größeren Kostenpositionen wie beispielsweise Löhne, Medikamente, Abschreibung, Zinsen oder Grobfutter unterliegen keiner allzugroßen Schwankung. Auf der anderen Seite steht das Kraftfutter, welches aufgrund seines hohen Anteils an den gesamten Produktionskosten (derzeitig zwischen 20% und 30%) schon bei kleineren Schwankungen den Ausschlag zu einem positiven oder auch negativen Betriebszweigergebnis geben kann. Nun ist es ja möglich, die Einkaufspreise für die nötigen Kraftfutterschrote langfristig zu fixen. Aber welches Preisniveau ist denn nun hierfür das richtige? Die Antwort auf diese Frage läßt sich leider ohne Kenntnis des zukünftigen Milchpreises nicht geben. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer.

Ich halte den aktuellen Zustand, bei dem wir Milcherzeuger die Milch abliefern, ohne vorab den Preis zu kennen, für absolut unhaltbar. Wo gibt’s denn so etwas in der Wirtschaft nochmal? Verkaufen wir denn unser Getreide ohne Preis oder lassen uns Betriebsmittel ohne Preis liefern? Natürlich nicht! Na klar, die Molkerei reibt sich die Hände. Wenn was nicht paßt, wird’s halt als schlechterer Milchpreis an die Milcherzeuger weitergegeben. Und daran wird sich erst etwas ändern, wenn wir Erzeuger dieses Spiel nicht mehr mitmachen. Von allein aber, passiert da überhaupt nichts. Warum auch?

Deshalb erhebt Eure Stimmen und fordert bei Euren Molkereien, Milcherzeugergemeinschaften und Interessenvertretern ein praktikables, transparentes und liquiditätsschonendes Instrument zur mittelfristigen Milchpreisabsicherung ein. Hier sehe ich vor allem die Genossenschaftsmolkereien in der Pflicht. Wer hat denn da das Sagen? Die Genossen oder die angestellten Manager?

Und erhebt Eure Stimme jetzt, denn ein derartiges Instrument zu entwickeln braucht etwas Zeit. Im Moment haben wir eh miese Milchpreise, aber es zeichnet sich schon wieder Licht am Ende des Horizontes ab. In einigen Monaten kommen bei uns Erzeugern vielleicht auch wieder höhere Preise an und dann muß ein einsatzfähiges Milchpreisabsicherungsinstrument zu Verfügung stehen, um nicht wieder von der nächsten Krise aufgerieben zu werden. Ich sage „ja“ zu liberalisierten Weltmärkten, aber bitte nicht ohne entsprechendes Instrumentarium!

 

Veröffentlicht in:

- Bauernzeitung vom 05.10.2012 (40.Woche), S.18

- Neue Landwirtschaft 10 - 2012, S.39

- Top Agrar 11/2012

 


Von: Benjamin Meise

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