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28.03.2013

Zur Zukunft der deutschen Tierhaltung

Gedanken zur Tierwohldiskussion


Es bedarf keiner besonderen Fähigkeiten, um spätestens seit der Vereidigung von Christian Meyer (B90/Die Grünen) zum Landwirtschaftsminister von Niedersachsen zu bemerken, dass hinsichtlich der deutschen Tierhaltung ein Hauch von Wandel in der Luft liegt. Nun wäre es an dieser Stelle zu müßig, über das Für und Wider der unterschiedlichen Ansätze in der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu diskutieren. Es ist auch egal, ob nun der „Ökofreak“ oder der „Massentierschänder“ Recht mit all seinen Ansichten hat. Fakt ist, dass das Thema Einzug im Wahlkampf erhalten hat und sich hierbei als schierer Stimmenfänger entpuppt.

Diese, von der gemeinen Landwirtschaft eher kritisch beäugte, nicht ganz neue Tierwohlkampagne nimmt zunehmend an Fahrt auf. Sie wurde vom Deutschen Bauernverband erkannt und folgerichtig mit einer charmanten PR-Offensive beantwortet. Leider gleicht es dem Kampf gegen Windmühlen, einprägsame Schockbilder und simpelste Argumentation mit dem mittlerweile recht komplex gewordenen Einmaleins der guten fachlichen Praxis aushebeln zu wollen. Nicht im Ringen um die Konsumenten- sondern um die Wählergunst steht es denkbar schlecht um die Chancen der „konventionellen“ Landwirtschaft, denn negative Nachrichten verbreiten sich bekanntlich bis zu zehnmal schneller, als positive Nachrichten.

Auch wenn der PR-Krieg kaum in der Tierwohldiskussion nützt, hilft er doch an einer ganz anderen zukunftsweisenden Front: im Kampf um Talente. Aber das ist eine andere Baustelle. Ich behaupte nun einfach mal, dass der nächste gesamtdeutsche grüne Landwirtschaftsminister nicht mehr lange auf sich warten lässt. Und man muss wohl auch davon ausgehen, dass dieser dann mit nicht ganz einfachen Reformprojekten daherkommt.

Man kann nur hoffen, dass diese dann aus wettbewerbstechnischer Sicht etwas überlegter umgesetzt werden, als die Haltungsreform für Legehennen aus der Renate-Künast-Ära. Damals wurde eine europäische Verordnung zum Verbot der Käfighaltung für Deutschland vorgezogen und führte so aufgrund einer einseitigen Wettbewerbserschwerung zu einer Pleitewelle deutscher Eierproduzenten und zum Import von Eiern aus Käfighaltung. Das war sicher weder bezweckt, noch zielführend.

Letztlich braucht sich die deutsche Landwirtschaft im internationalen Vergleich nicht zu verstecken. Wir machen unseren Job in der Regel hervorragend – auch unter neuen Rahmenbedingungen. Und wenn es dann den Tieren noch besser gehen soll - nichts lieber als das. Und wenn es sich dann der Wirtschaftsstandort Deutschland auch noch leisten kann, seine Lebenshaltungskosten mit teuer extensiv erzeugten Lebensmitteln zu erhöhen und die dafür nötig werdenden höheren Löhne auch zu zahlen – umso besser.

Bei all den gut gemeinten Anliegen bleibt nur eine Bitte an Legislative und Lobby: Was immer Sie machen, sorgen Sie bitte für gleiche Regeln im Markt und Planungssicherheit bei Investitionen! Ein deutscher Markt erfordert deutsche Regeln, ein europäischer Markt europäische Regeln und ein globaler Markt globale Regeln. Wettbewerbsverzerrungen durch nationale Schnellschüsse können besonders in der Landwirtschaft schnell nach hinten losgehen.

Veröffentlicht in:

- Bauernzeitung Ausgabe 18 2013, S.20

- Monatsschrift des Landesbauernverbandes Brandenburg Ausgabe 05/2013, S.13


Von: Benjamin Meise

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