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18.12.2013

Mit dem abc-Festpreismodell sicher in die globalen Milchmärkte


 

 

Leise atmen wir Milchbauern zurzeit auf, angesichts der endlich wieder kostendeckenden Milchpreise. Der Frieden ist jedoch trügerisch und nur von begrenzter Dauer. Bereits für das Frühjahr trüben sich die Preisprognosen wieder ein. Die Milchquote wird fallen, die Ausgleichszahlungen sinken, Handelsbarrieren werden eingerissen und die Produktion verlagert sich weiter hin zu den günstigeren Produktionsstandorten. Kurzum: Strukturwandel und Globalisierung sind im vollen Gange. Die Kräfte des Marktes werden weiter entfesselt.  

Ein solcher Wandel birgt sicher Chancen und Risiken zu gleichermaßen, solange man mit beiden entsprechend hantieren kann. Doch während sich das Risikomanagement in allen anderen Branchen zum Standard in den Unternehmen etabliert hat, fehlt uns Milchbauern seit jeher das zentrale Instrument zur Risikovorsorge: die Rede ist von einem Instrument zur Absicherung des Milchpreises! Doch langsam wird auch bei uns das Thema salonfähig und es mehren sich die Forderungen in Wissenschaft, Praxis und Standesvertretung zur Bereitstellung entsprechender Instrumente.

Während bisher die fehlende Liquidität bei den Milchprodukten an den Warenterminbörsen ein echter Hemmschuh zur Umsetzung einer Absicherungsstrategie war, so zeichnet sich jüngst ein anderes Bild ab. Die entsprechenden Umsätze nehmen sichtbar zu und es wird gemunkelt, dass diese noch höher sein könnten, wenn sich noch mehr Markteilnehmer auf Seiten der Milchbauern und Molkereien finden würden.

Warum aber, bleiben diese Interessengruppen den Warenterminbörsen fern? Bei den Molkereien ließe sich die Frage sicher mit ihrer Marktstellung und den gängigen „monopolistischen“ Auszahlungspraktiken erklären. Wenn man beim Rohstoffeinkauf die Preise doch recht frei vorgeben kann, besteht hier einfach kaum Druck, sich Gedanken über Preisabsicherungsinstrumente zu machen. Wobei angesichts des Kampfes um Rohstoffe auch hier ein Umdenken im Gange zu sein scheint.

Wir Bauern hingegen wissen vielleicht, wie man Tiere hält oder Pflanzen anbaut, aber das richtige Agieren auf dem Warenterminbörsenparkett ist uns doch sehr fremd. Und wer von uns hat nach den letzten Jahren schon rund 10% seines Milchumsatzes flüssig, um sie als nötige Sicherheit an der Börse zu hinterlegen. Zudem bräuchte man schon mindestens 100 Kühe, um auf die nötigen minimalen Handelsmengen zu kommen.

Bei der Suche nach einem transparenten, praktikablen und liquiditätsschonendem Instrument zur Absicherung des Milchpreises lohnt ein Blick zum Marktfruchthandel. Hier ist es Gang und Gebe, die Einkaufspreise für Raps und Getreide aus den Börsennotierungen abzuleiten. Beispielsweise gilt so für Brandenburg die Faustformel: Kassapreis Weizen/t = MATIF Weizennotierung/t abzüglich 20 Euro/t. Auch hier bestätigen die Ausnahmen die Regel, aber es ist doch ein sehr transparenter Weg.

Leider wird an der Börse keine reine Rohmilch gehandelt. Um dennoch eine Absicherung darzustellen, wurde unlängst von Prof. Thiele bzw. dem Institut für Ernährungswirtschaft Kiel vorgeschlagen, Rohmilch aus einem Mix von Butter- und Magermilchpulver darzustellen. Diese Rohstoffe werden nämlich sehr wohl an der Börse gehandelt. So ließen sich indirekt 100 t Rohmilch durch rund 10 t Magermilchpulver und 5 t Butter handeln.

Um nun die verbleibenden Probleme der nötigen Größe, des nötigen Know-Hows und der nötigen Sicherheitsleistungen an den Börsen zu überwinden, brauchen wir Milchbauern einen entsprechend starken Partner. Hierbei sind die Molkereien die geeigneten Kandidaten schlechthin. Diese könnten aus der Not eine Tugend machen und ein innovatives abc-Festpreisprodukt nach folgendem Ansatz anbieten:

Rohmilchpreis = a x Börsenpreis Magermilchpulver + b x Börsenpreis Butter - c

Hierbei stellen die Faktoren a und b die Gewichtung der beiden Preiskomponenten, die sich je nach Vermarktungsausrichtung der Molkereien auch geringfügig verändern könnten und c eine Variable zur Abbildung von Verarbeitungs-, Makler- und Zinsaufwendungen (für die Börsensicherheiten) dar.

Würde eine Molkerei beispielsweise den oben erwähnten Thiel‘schen Ansatz folgen (a=10; b=5) und zur Deckung ihrer eigenen Aufwendungen c = 8.000 €  ansetzen, würden sich für die kommenden Liefermonate folgende Milchpreise ergeben:

Monat

a

x

Preis in €
je t Milchpulver

+

b

x

Preis in €
je t
Butter

-

c

=

Preis in €
je 100 t Rohmilch

=

Preis in €
 je kg Rohmilch

Nov 13

10

x

3.075

+

5

x

4.000

-

8.000

=

42.750

=

0,43

Dez 13

2.938

3.850

40.630

0,41

Jan 14

2.950

3.797

40.485

0,40

Feb 14

2.940

3.740

40.100

0,40

Mär 14

2.938

3.700

39.880

0,40

Apr 14

2.800

3.760

38.800

0,39

Jul 14

2.938

3.830

40.530

0,41

Okt 14

2.938

3.830

40.530

0,41

Jan 15

2.938

3.830

40.530

0,41

 

Mit Hilfe dieses Festpreismodells könnte sich jeder Milchbauer mit einem Blick ins Internet (z.B. unter www.kaack-terminhandel.de) einen möglichen Auszahlungspreis für seine abzuliefernde Milch für die nächsten 14 Monate errechnen. Wäre dieser Preis ausreichend attraktiv, könnte dieser dann mit der Molkerei individuell „festgelegt“ werden. Die Molkerei würde unmittelbar alle nötigen Prozesse an den Börsen in Gang setzten und sich damit auch selbst absichern.

Im Ergebnis würden die Milchbauern selbst mehr Verantwortung über ihre Milchauszahlungspreise übernehmen und könnten so auch parallel Kraftfuttermittel fristkongruent kontraktieren. Somit hätte man eine aus preislicher Sicht 95% Planungssicherheit für diese Zeit! Grundvoraussetzung für diese Entscheidung ist natürlich die präzise Kenntnis der eigenen Produktionskosten. Auf diesem Weg ließe sich eine kontinuierliche sichere Marge generieren, ohne das ständige Auf und Ab an den Märkten in allen Extremen zu durchwandern.    

Die Molkereien würden sich den ständigen Beschwerden über zu geringe Milchauszahlungspreise entziehen, ohne dabei ihren „sicheren Hafen“ zu verlassen. Zudem könnten sie mit diesem innovativen Produkt weitaus mehr Milchproduzenten anlocken und binden sowie die Auslastung ihrer Administrationen über eine neue Wertschöpfung verbessern. Ich bin gespannt, welche Molkerei den hier ersichtlichen Vorteil des „ersten Schrittes“ nutzen wird und wie lange wir in Deutschland dieses Thema nur „besprechen“, während in Neuseeland, in den Niederlanden oder den USA bereits lange „gehandelt“ wird.

 

Den Originalartikel finden Sie veröffentlicht in agrarmanager Ausgabe Dezember 2013.

Verfasst von Benjamin Meise, Geschäftsführer der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz.

 

 


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